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 Betreff des Beitrags: Abgeschlossen 1/1 Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Do 25. Jun 2020, 22:22 
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9. Juni: Der erste Lauf

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USK 12

- Die Befreiung


Zuletzt geändert von Sambar am Di 7. Jul 2020, 22:15, insgesamt 1-mal geändert.

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  Verfasst: Do 25. Jun 2020, 22:22 
 


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Mi 1. Jul 2020, 14:53 
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Es gibt verschiedene Arten von Schmerz - das ist etwas, was man als Dämmerkrieger meist recht früh lernt. Manche Schmerzen kann man ignorieren oder zurückdrängen, bis sie nur ein lästiger, kleiner Schatten im Hinterkopf sind. Andere schreien in ihrer unausweichlichen Heftigkeit eine deutliche Warnung, dass man sie beachten sollte, wenn man leben will.
Aber Schmerz ist nicht immer logisch. Ich erinnere mich daran, wie ich einst mit einer Pfeilwunde während vieler, vieler Stunden geritten bin, während das Blut in Strömen aus meinem Körper floss und ich mit jedem Galoppsprung dem Tode näher kam. Der Schmerz war erträglich, ja, fast schon ein Freund, weil er mich wachhielt und mich ermahnte zu kämpfen. Und jetzt? Jetzt ist es das genaue Gegenteil...

Wir laufen seit Stunden durch den Wald, hören hinter uns das Bellen der Hunde unserer Verfolger, die Schreie der Soldaten, denen ein hoher Preis auf unsere Köpfe versprochen wurde. Sie werden uns nicht einholen, das steht fest. Meine Begleiter sind eine eingespielte Truppe, die sich mit kurzen, schlichten Handzeichen verständigen, mal links und mal rechts abbiegen, falsche Spuren legen, dann wieder auftauchen. Ab und zu streicht einer über meine Schulter und blickt mich an. "Alles gut?" fragt er mit Zeichen, und ich nicke, stumm wie sie, bemüht, so leise zu atmen wie sie, auch wenn ich mich fühle wie ein Büffel unter Rehen. Ich habe keine Ahnung, wer mich befreit hat, sie tragen ihre Masken und Kapuzen, und selbst die Haut um ihre Augen ist geschwärzt, um sie im Dunkeln besser zu verbergen. Schwarz sind sie von Kopf bis Fuss, und nichts verrät etwas über ihre Identität. Es ist nur ihr Anführer, der aus der Masse heraussticht mit der hellen Umrandung seines Umhangs.
Erst konnte ich es nicht genau erkennen, aber nun, wo der Morgen nicht mehr zu leugnen ist und es mit jedem Schritt heller wird, erkenne ich die weissen Federn, die seine Kleidung säumen - ungewöhnlich für einen Dämmerkrieger. Ungewöhnlich... wie auch seine Bewegungen. Wie er durch den Wald läuft, scheint er kaum den Boden zu berühren, lautlos und federnd sind seine Schritte, weit seine Sprünge, und sein Umhang flattert wie die verdammten Schwingen eines Raubvogels. Und ich kann nicht anders, ich bin gefesselt von dieser Anmut und wünschte mir, ich wäre nur ein bisschen wie er... Aber Anmut und Gewandtheit waren noch nie meine Stärken - meine Qualitäten liegen woanders, und protzen kann man nicht wirklich damit...

Und gerade jetzt, wo meine Schmerzen mit jedem Schritt zunehmen, kann ich nicht einmal versuchen, leichtfüssig zu sein - ich bin schon froh, dass ich halbwegs das Tempo halten kann. Es ist ein böser Schmerz, einer von der Sorte, die sich nicht ignorieren lässt, stetig zunehmend und mit der Wirkung, dass sie mein Körper mehr und mehr verkrampft im Versuch, ihn zu unterdrücken. Mein Verstand weiss, dass es harmlos ist, dass ich über diesen Schmerz hinweg laufen könnte und es keine Folgen für mich hätte. Aber mein Körper weigert sich. Ich bin schweissgebadet und verspüre eine dumpfe Übelkeit, während das Brennen so heftig wird, dass es mir die Tränen in die Augen jagt. Und doch laufe ich weiter, Schritt für Schritt für Schritt. Irgendwann wird auch diese Flucht ein Ende haben - sie muss!

Und so laufe ich wie in Trance, sehe nur noch den flatternden Umhang vor mir, die weissen Federn... Wie ein riesiger Vogel, der durch die Bäume huscht... und dann hält er inne, blickt zu mir zurück, dunkle Augen blicken mich mit einer Intensität an, die mich erschauern lässt. Ich spüre die Kraft in diesem Mann, sehe ihm an, wie sehr er diesen Lauf geniesst, wie er es liebt, die Kräfte seines Körpers auszureizen, er, der scheinbar keine Grenzen kennt, keine Erschöpfung, keine schweren, bleiernen Glieder und brennenden Atemzüge, die nach einer Pause verlangen.
Er streckt mir die Hand entgegen, und ich greife zu, spüre, wie er mich mit sich zieht. Sein Umhang streift mich, flattert um mich herum, die weissen Federn tanzen im Luftzug des raschen Laufs. Ich laufe im Schatten dieses Mannes, spüre seinen kräftigen Griff und fühle, wie mich neue Energie durchströmt - von ihm? Ist das... eine Art Zauber? Oder ist es nur die Faszination, die ich für ihn empfinde, die mir neue Kraft verleiht?

So laufen wir, und immer wieder taucht einer neben uns auf "alles ruhig", signalisieren sie, "Verfolger abgehängt", "keine Hunde mehr". Und doch laufen wir weiter... und weiter... und ihm ist keine Schwäche anzusehen, während er mich mit sich zieht. Wie lange noch? Wie lange will er diese irre Flucht weiterziehen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Mi 1. Jul 2020, 20:32 
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Irgendwann halten wir an, er lässt meine Hand los und hebt den Arm als Zeichen zum Warten. „Pause“, sagt er, und seine Stimme klingt so ruhig und entspannt, als wären wir nicht ewig durch den Wald gerannt. „Kurz“, sagt er dann. „Trinkt, esst eine Ration, trinkt mehr... und dann weiter.“
Seine Leute plumpsen auf den Boden, kramen in ihren Taschen, und ich merke, dass sie genauso hungrig und müde sind, wie ich mich fühle. Aber ich bleibe stehen, lehne mich an einen Baumstamm und warte.

Er wendet sich mir zu, und selbst mit seiner Verhüllung sehe ich, wie sich seine rechte Braue hebt. „Willst du dich nicht setzen?“
Ich schüttle den Kopf. „Darf nicht auskühlen“, sage ich und spüre, wie meine Wangen heiss werden vor Verlegenheit. „Sonst laufe ich keinen Schritt mehr weiter.“
Er tritt auf mich zu und mustert mich, und meine Verlegenheit nimmt zu, als mir bewusst wird, dass ich praktisch nackt bin - kein Vergleich mit den perfekten Ausrüstungen seiner Leute. Unwillkürlich weiche ich zur Seite, Schmerz durchzuckt mich und ich verziehe das Gesicht, kann diese Regung nicht unterdrücken, so sehr ich es auch versuche.
Er mustert mich, und mein Gesicht fühlt sich an, als ob es in Flammen stehen würde.
„Du bist doch verletzt?“ fragt er, und ich erkenne, dass er die Stirn runzelt. Er hatte mich gleich nach meiner Befreiung kurz untersucht, und ich merke, dass er nun an sich selbst zweifelt - und dass ihm das gar nicht gefällt.
„Nein“, antworte ich daher und senke den Blick. „Es ist nichts.“


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Mo 6. Jul 2020, 01:21 
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"Du hast Schmerzen", sage ich leise und mustere ihn. "Das ist nicht nichts. Ich höre es an deinem Atem, sehe es in deinem Blick." Meine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. "Lüg nicht den Heiler an, das ist eine schlechte Idee."

Er blinzelt und senkt den Kopf, und ich sehe ihm an, dass er reden wird, wenn ich ihm Zeit lasse. Ich stehe einfach nur da und warte, reglos bis auf den leichten Wind, der mit meinem Umhang spielt. Geduld ist eine meiner Tugenden, und sie macht sich auch dieses Mal bezahlt. Irgendwann blickt er zu mir auf, die Wangen noch mehr gerötet als zuvor, das Gesicht zu einer Fratze der Verlegenheit verzogen. Er wäre überall lieber als hier vor mir, und in Anbetracht dessen, was er für einen Auftrag hatte und wo wir ihn befreit haben, erwarte ich so halb und halb schon eine bestimmte Art von Antwort. Aber... ich habe mich geirrt. Er deutet missmutig auf den schäbigen Lendenschurz, den er trägt. Damit haben wir ihn von dem Sklavenhändler befreit, und bisher blieb keine Zeit, dass er sich hätte umziehen können. Ich ziehe eine Braue hoch und halte nur seinen Blick, sehe ihn fragend an, und trotzdem distanziert. Er soll selber die Entscheidung treffen, mir meine Antworten zu geben.

"Ich hab mir einen Wolf gelaufen", murmelt er schliesslich so leise, dass ich ihn kaum verstehen kann, und er kann meinen Blick bei diesen Worten nicht halten. Dabei gibt es wohl kaum einen von uns, der das nicht schon erlebt hätte, niemanden vermutlich, wenn man an das feuchtwarme Klima auf unserer Heimatinsel denkt. Und doch... Ich gebe zu, ich hätte mit Schlimmerem gerechnet, und ein anderer als ich würde jetzt vermutlich lachen. Ich nicht. Es ist eine Art von Verletzung, und ich will mir die Schmerzen gar nicht vorstellen, die er auf dieser Flucht hatte mit seinem Lendenschurz, der ihm so gar keinen Schutz geboten hat.

Wortlos öffne ich meine Umhängetasche und ziehe eine aufgerollte, sehr leichte Leinenhose heraus, wie ich sie gerne zum Üben meiner Formen anziehe. "Hier", sage ich und reiche sie ihm. "Was den Rest betrifft..." Ich lächle dünn, auch wenn er es unter der Maske nicht sehen kann. "Ich kann helfen. Ich bin Heiler..."

Er zuckt förmlich zusammen, reisst mir die Hose fast grob aus der Hand, und die Röte in seinen Wangen nimmt nur noch um ein Vielfaches zu. "Nein, ich", stammelt er, und ich hebe abwehrend die Hand. "Ich habe eine Salbe, die vermutlich den Schmerz etwas lindern wird. Ich meine... So weiterzulaufen ist sinnlos, es hält uns nur alle auf... und das wiederum ist gefährlich für uns alle."
Er verzieht das Gesicht, während die Wahrheit dieser Worte in seinen Verstand einsickert, und dann nickt er langsam. "Gut", sagt er so leise, dass ich es kaum hören kann. "Dann hilf mir bitte... Heiler..."


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Mo 6. Jul 2020, 15:13 
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"Dann hilf mir bitte, Heiler." Selten sind mir Worte so schwer gefallen wie diese. Eine Pfeilwunde, ein Schwerthieb, eine magische Verbrennung, alles wäre mir lieber als das hier... Wundgelaufen... Ich halte die Gruppe auf, weil ich mich wundgescheuert habe... Meine Hand umklammert die Hose, die er mir gegeben hat, als ob ich mich daran festhalten könnte, während ich mich bemühe, ihn anzusehen, diesen Anführer mit seinem verhüllten Gesicht, dessen Augen mir direkt in die Seele zu blicken scheinen. Wer ist er? Er ist eindeutig ein Mann, die weiblichen Anführerinnen fallen weg... Er ist nicht der alte Garun und auch nicht Maron... Für Olkan ist er zu gross, für Basir sind seine Schultern zu schmal... Tadshir könnte sein... Der Südländer hat eine ähnliche Statur, auch wenn mir nie aufgefallen wäre, dass er sich so katzenhaft bewegt...

"Eule", sagt er, und ich höre an seiner Stimme, dass er amüsiert ist.... dass er meine Gedanken erraten hat. Seine Stimme... Er hat nicht Tadshirs Akzent - dieser ist sein rollendes R nie so ganz losgeworden, während seine... Eules Stimme rein gar nichts von ihrer Herkunft verrät.

Er greift in seine Tasche und zieht eine flache Dose heraus, um sie mir dann ebenfalls zu reichen. "Salbe", sagt er gelassen. "Die wird helfen und zumindest etwas Linderung verschaffen." Sein Blick ist unergründlich, als er weiterspricht. "Ich würde lieber die Heilung noch etwas beschleunigen, aber..." Er legt fast vogelhaft den Kopf schief - Eule... "Ich werde es akzeptieren, wenn du das nicht willst. Wir werden es auch hier weg schaffen, wenn wir nicht ganz so schnell sind."

Die anderen sitzen herum, knabbern an ihrem Proviant, trinken aus ihren Flaschen. Keiner redet, sie lehnen mit geschlossenen Augen an Baumstämmen und Steinen und nutzen die kurze Pause, um möglichst viele Kräfte zu sammeln. Und ich würde wetten, dass uns jeder einzelne von ihnen zuhört. Ich erinnere mich an ihre geschmeidige Art zu laufen, nicht ganz so gewandt wie ihr Anführer und doch auf eine Art und Weise, wie ich es nie zuvor von einer ganzen Einheit Dämmerkrieger erlebt habe. Es gibt immer einzelne von uns, die besonders geschickt sind, aber nie habe ich so viele davon auf einmal gesehen. Und ihr Anführer... Neben ihm wirken selbst sie plump. Und ich? Ich senke einmal mehr den Blick, starre auf diesen hassenswerten Lendenschurz und seufze. "Na gut", sage ich dann. "Von mir aus auch eine Heilung, ich will euch nicht unnötig aufhalten."


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Di 7. Jul 2020, 02:26 
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Ich sitze in meinem Pavillon in den Häusern der Ruhe und blicke aus dem Fenster hinaus in den kühlen Frühlingsmorgen. Ich weiss nicht genau, wieso ich hier bin - es ist nichts passiert, was ich nicht schon kennen würde, nichts, womit man mich hätte brechen können, ja, eigentlich nicht einmal verletzen. Ich denke ohne Gefühle an den Auftrag zurück - oder wenn, dann höchstens mit der Erleichterung, dass Eule und seine Leute mich rechtzeitig befreit haben, lange, bevor mir etwas wirklich Schlimmes widerfahren konnte.
Morgen könne ich nach Hause gehen, sagen sie... Wenn ich noch eine Nacht ruhig schlafen würde. Ich gähne. Das ist der Aufenthalt hier wert - die Ruhe. Morgen Nacht werde ich die übliche Entscheidung treffen müssen, ob ich im Truppenhaus übernachte, bei meinen Eltern oder in meinem kleinen Zimmer über der Taverne. Ruhig ist es an keinem der drei Orte, aber ich bin einfach zu selten zuhause, um mich um etwas anderes, besseres zu kümmern.
Noch eine Nacht ruhig schlafen... Ich rolle im Stillen mit den Augen. Seit ich hier bin, schlafe ich friedlich und entspannt wie eine Katze an der Sonne, Albträume quälen mich keine, auch wenn alle wohl damit rechnen. Sie glauben mir meinen Bericht nicht, sie wissen, wie oft bei solchen Dingen gelogen wird. Aber ich? Ich lüge nie - wieso sollte ich auch, sie kennen ja die Art ihrer Aufträge...

Trotzdem bin ich müde, könnte den ganzen Tag schlafen, wenn man mich liesse, aber nicht, weil ich mich schlecht fühle, sondern weil ich nichts besseres zu tun habe...
Ich gähne erneut, rapple mich auf und setze mich auf mein gemachtes Bett, lehne den Kopf an die Wand und schliesse die Augen, um bis zum Frühstück noch ein wenig zu dösen. Und wieder wandern meine Gedanken zu dem Moment, der den ganzen Auftrag gleichzeitig so schrecklich und doch so gut gemacht hat... so peinlich und doch so... schön?

Und einmal mehr spüre ich Eules Hand auf meinem Oberschenkel, spüre, wie er den Lendenschurz beiseite schiebt und wie seine kühlen, glatten Finger über meine nackte Haut streichen. Ich fühle den Schmerzm, als er die wunde Stelle berührt, höre mich zischend die Luft einziehen, obschon ich es nicht will und spüre seinen Blick auf mir ruhen, konzentriert, interessiert... entschuldigend?
Und dann prickelt Energie über meine Haut, dringt in meinen Oberschenkel ein, wandert durch mein Bein, verteilt sich, wärmt, heilt... Seine Hand ist kühl, aber die Kräfte, die durch seine Handfläche wandern, sind warm, und dieser Widerspruch reizt mich auf eine Weise, auf die er mich nicht reizen sollte.

Abrupt reisse ich die Augen auf und blicke aus dem Fester. Er hat mich vermutlich längst vergessen den einen Auftrag unter vielen. Aber ich... Ich nicht. Immer noch spüre ich seine Hand auf meinem Bein, höre seine Stimme, sehe seine geschmeidigen Bewegungen, während er vor uns allen her läuft. Und wenn die Erinnerung an meine Heilung nicht so peinlich wäre... dann würde ich vielleicht fragen, ob er noch jemanden in seiner Einheit braucht, jemanden... wie mich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Schatten der Eule
 Beitrag Verfasst: Di 7. Jul 2020, 16:36 
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Gelangweilt und auch leicht verärgert sitze ich an einem Tisch und wälze Akten. Seit Jahren habe ich meine Leute um mich, eine eingespielte Gruppe von Männern und Frauen, die mit der Zeit gelernt hat, sich praktisch blind zu verstehen. Als man mir heute morgen meinen neuen Auftrag übergeben hatte, war mir klar, wer mich begleiten wird...
... bis man mir mitteilte, dass Kavlah gerade auf dem Weg ins Einhornreich ist. Unter Rowans Kommando.

Etwas forscher als gewollt blättere ich auf die nächste Seite und überfliege eine Liste von Namen. Bei Gayan halte ich kurz inne. Eigentlich wär's nur recht und billig, wenn ich einen von Rowans Männern nehmen würde, aber... Nein. Ich brauche jemanden, der mitdenkt, dessen Loyalitäten aber nicht bei einem anderen Anführer liegen, der nicht meine Entscheidungen in Frage stellt, nur weil Rowan es anders angehen würde...

'Sambar', lese ich, und der Name kommt mir bekannt vor, aber im ersten Moment habe ich kein Gesicht dazu. Er ist ein Jahr älter als Gayan, hat etwas Erfahrung als Feldheiler und hat ein recht umfangreiches Sprach- und Geschichtswissen. Er hat gekämpft und er hat getötet, er wurde verwundet, aber nichts davon hat Spuren hinterlassen, die in der Akte hätten vermerkt werden müssen.
Stirnrunzelnd lese ich weiter, während ich mir überlege, woher ich Sambar kenne. Ich habe nie mit ihm gearbeitet, ich...
... habe ihn befreit!

Und schlagartig kehren die Erinnerungen an den Auftrag von vor zwei Monaten zurück, als wir einen Gefangenen befreien sollten, der sich als Sklave getarnt bei einem Magier eingeschlichen hatte. Sambar... Ich erinnere mich daran, wie elend er ausgesehen hatte, hungrig und erschöpft, tagelang schon mit einer Sklavenkarawane unterwegs, nachdem ihm die erste Flucht missglückt war. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mit uns mithalten könnte, wollte nur möglichst viel Abstand zwischen uns und den Sklavenmarkt bringen, ehe wir uns zum Kampf stellen würden.
Aber Sambar hat durchgehalten. Sambar ist mit uns mitgerannt, keuchend und stolpernd, aber in einem Tempo, das ich ihm niemals zugetraut hätte. Der Mann, der tagelang kaum gegessen und getrunken hatte, den man geschlagen hatte und der die ganze Zeit über in Ketten gelegt war, hat mit einem Trupp ausgeruhter Dämmerkrieger mitgehalten, stundenlang, ohne auch nur ein einziges Mal zu maulen oder um Hilfe zu bitten.

Ich erinnere mich an seinen Blick, als wir Pause machten - trotzig und gereizt, aber auch verlegen... Es war ihm nicht bewusst, dass wir alle viel frischer und besser vorbereitet für diesen Lauf waren als er - er schämte sich wegen einer Schwäche, die keiner von uns in ihm sehen konnte...

Mit einem Seufzer staple ich die Akten akkurat aufeinander, jene von Sambar zuoberst, und gehe damit zurück zu Thero, der heute die Aufträge vergibt. "Sambar", sage ich. "Gebt mir Sambar mit."
Zu meinem Erstaunen lächelt Thero und nickt. "Eine gute Wahl", sagt der Alte und legt Sambars Akte beiseite. "Er wird bei Sonnenaufgang bereit sein, wenn ihr aufbrecht."

Als ich hinaustrete und die Sonnenstrahlen im Gesicht spüre, halte ich kurz inne, lege den Kopf in den Nacken und erlaube mir den Hauch eines Lächelns. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das ein guter Auftrag werden könnte... selbst ohne Kavlah.


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